Ratgeber
Entsorgungsbetriebe Deutschland: Übersicht der wichtigsten Anbieter
In Deutschland sind öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger (oeRE) - meist kommunale Stadtreinigungen wie BSR Berlin, Stadtreinigung Hamburg, AWM München - für Hausmüll zuständig. Verpackungen sammeln private duale Systeme (Grüner Punkt, Reclay, Interseroh+). Spezialdienstleister wie ALBA, Veolia, Remondis arbeiten als Subunternehmer für Kommunen oder gewerbliche Kunden.
Die deutsche Entsorgungswirtschaft ist ein vielfältiges System aus öffentlichen und privaten Akteuren. Wer macht was - und wer ist eigentlich für den Glascontainer vor der Haustür zuständig? Dieser Artikel gibt einen Überblick.
Die rechtliche Struktur
Öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger (oeRE)
Nach Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG, §17) sind Kommunen für die Entsorgung des Hausmülls aus Privathaushalten verantwortlich. Sie organisieren das in der Regel über eigene Gesellschaften.
Duale Systeme
Verpackungen werden separat von dualen Systemen gesammelt - Anbieter wie Grüner Punkt, Reclay, Interseroh+ etc. (siehe Der Grüne Punkt: Geschichte und Funktion).
Private Spezialisten
Gewerbliche Kunden (Industrie, Handel) und Sondermaterial werden oft von privaten Entsorgern bedient.
Große kommunale Stadtreinigungen
BSR - Berliner Stadtreinigung
- Berlin, rund 6500 Mitarbeiter
- Hausmüll-, Sperrmüll-, Glas-, Papier-Sammlung in Berlin
- 15+ Recyclinghöfe
- App: “Mein Berlin” mit Standortfinder
Stadtreinigung Hamburg
- Hamburg, rund 4000 Mitarbeiter
- Hausmüll und Wertstoffe
- 12+ Recyclinghöfe
- App: Stadtreinigung Hamburg
AWM - Abfallwirtschaftsbetrieb München
- München, rund 1500 Mitarbeiter
- Hausmüll, Wertstoffe, Wertstoffhöfe
- 12 Wertstoffhöfe
- Hohe Wertstoffhof-Dichte
AWB - Abfallwirtschaftsbetrieb Köln
- Köln, rund 2000 Mitarbeiter
- Hausmüll, Wertstoffe
FES - Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH
- Frankfurt am Main, rund 1700 Mitarbeiter
- Hausmüll, Strassenreinigung, Wertstoffe
Weitere große oeREs
- AHA - Abfallwirtschaft Hannover (Region Hannover)
- AWS - Abfallwirtschaft Stuttgart
- AWISTA - Abfallwirtschaft Düsseldorf
- STEP - Stadtentsorgung Potsdam
- DSR - Dresdner Stadtreinigung
- Stadtreinigung Leipzig
- abfallwirtschaft pforzheim
- EAW - Entsorgungs- und Aufbereitungsbetrieb Wiesbaden
In Klein- und Mittelstädten oft Zweckverbände mehrerer Kommunen oder Landkreis-Eigenbetriebe.
Große private Entsorger
Remondis (Lippe)
- Grösster privater Entsorger in Deutschland
- Aktiv in 30+ Ländern
- Hausmüll, Gewerbeentsorgung, Recycling, Wasser
Veolia Deutschland
- Tochter des französischen Veolia-Konzerns
- Stark in Hessen, Bayern, NRW
ALBA Group
- Berliner Unternehmen, weltweit aktiv
- Stark im Verpackungsrecycling (Interseroh+)
Schwarz-Gruppe / PreZero
- Tochter der Lidl/Kaufland-Mutter (Schwarz-Gruppe)
- Schnell wachsender Recyclinganbieter
SUEZ Deutschland
- Tochter des französischen SUEZ-Konzerns
- Industrie- und Gewerbeentsorgung
Duale Systeme (Verpackungen)
Aktüll zehn duale Systeme im Verpackungsregister LUCID:
- Der Grüne Punkt - DSD
- Reclay Systems
- Interseroh+ (ALBA-Gruppe)
- BellandVision (Loomis-Gruppe)
- EKO-Punkt (Mainova-Tochter)
- Veolia Umweltservice / Zentek
- Landbell
- PreZero (Schwarz-Gruppe)
- NOVENTIZ
- RecycleHero (junger Anbieter)
Hersteller wählen ein System nach Konditionen. Die Sammlung im Gelben Sack oder Gelber Tonne ist für Verbraucher identisch - unabhängig vom System.
Glasrecyclinger
Aufbereitungsanlagen und Glashutten in Deutschland:
- Reiling Glas Recycling (mehrere Standorte)
- Saint-Gobain Glass Deutschland
- Verallia (Behälterglashersteller)
- Ardagh Group
- OI Europe
Diese Unternehmen verarbeiten den gesammelten Glasbruch zu neuem Verpackungsglas oder Schaumglas/Glaswolle.
Papierverarbeiter
Große Papierfabriken mit hohem Altpapier-Anteil:
- Stora Enso
- UPM-Kymmene (Finnland, in DE aktiv)
- DS Smith
- Mondi
- Smurfit Kappa
- Steinbeis Papier (100% Recyclingpapier)
Insgesamt rund 150 Papierfabriken in Deutschland, überwiegend mit hohem Altpapieranteil.
Textilrecycling-Unternehmen
- Söx Group (größter Textilsortierer in Europa, Sitz Bitterfeld)
- TEXAID (Schweiz, in DE aktiv)
- Tex-Aid Deutschland
- TwinTex
- Verschiedene gemeinnützige Sortierer (DRK, Caritas-Tochterunternehmen)
Strukturelle Trends
Konsolidierung
Der Markt konsolidiert sich. Große Spieler wie Remondis, Veolia und ALBA übernehmen kleinere Anbieter oder kommunale Aufgaben. Privatisierungsdebatte ist politisch sensibel.
Digitalisierung
Sensoren in Containern (Füllstand), Sortieranlagen mit KI-Bilderkennung, Bürger-Apps. Vorreiter: Hamburg, München, Berlin.
Erweiterte Herstellerverantwortung
EPR-Ausweitung auf Textilien, Möbel, Bauprodukte wird in den kommenden Jahren neue Unternehmen ins Spiel bringen.
Verwandte Themen
- Kommunale Sammelsysteme im Vergleich
- Grüner Punkt: Geschichte und Funktion
- EU-Vorgaben zur getrennten Sammlung
- Container-Standorte finden
Containerstandorte
Standorte der jeweiligen Stadtreinigung: Berlin BSR, Hamburg, München AWM.
Zusammenfassung
In Deutschland teilt sich die Entsorgungswirtschaft auf in:
- Kommunale Stadtreinigungen für Hausmüll und kommunale Wertstoffe
- Duale Systeme für Verpackungen
- Private Spezialisten wie Remondis, Veolia, ALBA für Gewerbeentsorgung und Spezialdienste
- Recycling-Anlagen und Glashutten für die Verwertung
Verbraucher merken davon meist nur die Stadtreinigung an der Hausnummer - der Rest passiert im Hintergrund. Wer wissen will, wer hinter “seinem” Container steht: Stadtreinigungs-Webseite oder Container-Aufdruck prüfen.
Häufige Fragen
Was ist ein oeRE?
Welche großen privaten Entsorger gibt es?
Was machen duale Systeme?
Wer ist für die Glascontainer zuständig?
Wer ist BDE?
Welche Firmen recyceln das Glas?
Sind die Kosten überall gleich?
Quellen
- Umweltbundesamt: Abfallwirtschaft in Deutschland (abgerufen 12.05.2026)
- Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) (abgerufen 12.05.2026)
- Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) (abgerufen 12.05.2026)
Verwandte Artikel
-
Ratgeber
Einwurfzeiten Glascontainer Deutschland: Übersicht alle Bundesländer
In Deutschland gelten für Glascontainer in den meisten Städten Einwurfzeiten von Montag bis Samstag zwischen 7 und 19 oder 20 Uhr, sonntags und feiertags ist der Einwurf in der Regel untersagt. Grundlage ist die kommunale Lärmschutzverordnung in Verbindung mit der TA Lärm. Konkrete Zeiten variieren regional - im Zweifel gilt die Stadtreinigungs-Webseite oder das Schild am Container.
-
Ratgeber
Karton vs. Papier: Worin liegt der Unterschied bei der Entsorgung?
Karton und Papier gehören grundsätzlich in den gleichen Recyclingstrom - die Papiertonne. Beide bestehen aus Zellulose-Fasern und werden in den gleichen Anlagen aufbereitet. Unterschiede gibt es nur bei beschichteten oder verbund-Produkten wie Tetra-Pak, Coffee-to-go-Bechern oder Tiefkühlpizza-Verpackungen - die gehören in den Gelben Sack oder Restmüll.
-
Ratgeber
Papierrecycling in Deutschland: Vom Container zum neuen Papier
Nach dem Einwurf in die blaue Tonne wird Altpapier in Sortieranlagen vorsortiert, aufgelöst, von Druckfarben gereinigt und zu neuem Papier oder Karton verarbeitet. Deutschland erreicht laut Verband Deutscher Papierfabriken eine Altpapier-Einsatzquote von rund 79 Prozent - eine der höchsten weltweit. Eine Papierfaser kann etwa 5 bis 7 Mal recycelt werden.